Hopfen

Kulturgut

Deutsches Bier wird seit jeher nur aus natürlichen Rohstoffen gebraut. Seit fast 500 Jahren dürfen nur Hopfen, Malz und Wasser sowie Bierhefe eingesetzt werden.
Kulturgut
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Hopfen – die Seele des Bieres
Für 100 Liter Bier benötigt man gerade mal 100 g Hopfen – doch die haben es in sich. Hopfen ist entscheidend für den typischen Geschmack und den Bitterton im Bier. Die maßgeblichen Inhaltsstoffe sind ätherische Öle und Bitterstoffe (Alphasäure). Letztere sind auch für die Haltbarkeit des Bieres verantwortlich – dadurch sind keine künstlichen Konservierungsstoffe notwendig. Jede Hopfensorte hat ihren eigenen Geschmack, deshalb enthält jedes Bier eine spezielle Mischung an verschiedenen Hopfen. Diese Mischung ist natürlich ein strenges Geheimnis eines jeden Braumeisters.
 
Hopfen aus Bayern, weltbekannt
Bayern ist das Hopfenzentrum weltweit. Die Hallertau oder auch Holledau genannt, ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Deutlich kleiner, aber bekannt durch spezielle Hopfensorten ist das zweite bayerische Anbaugebiet in Spalt (Mittelfranken). Bayerischer Hopfen steht für Qualität. Er kommt weltweit beim Bierbrauen zum Einsatz. Über 70 % der deutschen Ernte werden in mehr als 100 Länder exportiert.
 
Traditionelle Kulturpflanze
Bereits bei den alten Ägyptern fand der Hopfen Verwendung beim Bierbrauen. In Deutschland wurde der Hopfenanbau im Jahr 860 bei Nandlstadt (Hallertau) erstmals urkundlich erwähnt. Einen wahren Aufschwung erlebte der Hopfenanbau seit dem Reinheitsgebot von 1516, das nach wie vor gültig ist. Danach dürfen im Bier nur Wasser, Malz, Hefe und Hopfen verwendet werden. Heute wird der größte Teil der Hopfenernte zum Bierbrauen verwendet (99 %), alternativ kommt er aber auch in der Heilkunde und Kosmetik zur Anwendung.
 
Der Hopfengarten
Der Hopfen wird aufgeleitet, d. h. er wird per Hand um Drähte gewickelt und wächst dann an einem sieben Meter hohen Gerüst empor. In den Hopfengebieten bieten diese Hopfengärten ein prägendes Bild der Kulturlandschaft. Bei guter Witterung wächst der Hopfen bis zu 30 Zentimeter am Tag. So schnell wächst keine andere Pflanze in unseren Breitengraden. Auf einem Hektar Hopfen werden je nach Sorte zwischen 3.600 und 4.500 Hopfenpflanzen angebaut. Ihre Lebensdauer beträgt bis zu 50 Jahren. Auch wenn dank fortschreitender Technisierung der Hopfen nicht mehr von Hand geerntet wird, ist nach wie vor ein erheblicher Bedarf an Arbeitskräften über das ganze Jahr erforderlich.
 
Botanik
Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse. Er ist zweihäusig, das heißt, es gibt sowohl weibliche als auch männliche Pflanzen. Im Anbau befinden sich nur die weiblichen Hopfenpflanzen, da nur sie die lupulinhaltigen und aromareichen Hopfendolden haben. Männlicher Hopfen muss aufgrund einer Verordnung in den Hopfenanbaugebieten gerodet werden, damit keine Befruchtung stattfindet, denn der Samen befruchteter Dolden verhindert die gewünschte Schaumbildung beim fertigen Bier. Männlicher Hopfen findet nur in der Hopfenzüchtung zur Kreuzung Verwendung.
 
Blick in die Geschichte
Zum Thema Hopfen hält die Agrarhistorische Bibliothek im Haus der bayerischen Landwirtschaft Herrsching circa 40 Bücher mit dem Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts parat.
Das älteste Buch stammt von 1799 und hat den Titel „Practischer Unterricht zur Anlage und Cultur des edlern Hopfens, für jeden der bieder Einwohner Sachsens zu gemeinnützlichem Gebrauch herausgegeben von Johann Christian Etler“. In der so genannten Hausväterliteratur (eine frühe Ratgeberliteratur aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die nicht nur die Haushaltsführung und Fragen rund um die Landwirtschaft behandelte, sondern auch Regeln für Familie) finden sich noch ältere Hinweise zu Hopfen und Bier. Außerdem können in Herrsching handkolorierte Stiche, Anleitungen zum Anbau und Trocknen sowie Überlieferungen zu Schädlingen und zum Hopfenhandel bestaunt werden.
Die Agrarhistorische Bibliothek im Haus der bayerischen Landwirtschaft (Rieder Str. 70, 82211 Herrsching am Ammersee) ist von Montag bis Donnerstag von 9:00 bis 12:00 Uhr geöffnet.

 

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